Prinzipien über Regeln

Als Scrummaster ist man ja ständig damit beschäftigt, Veränderungen zu bewirken. Eine klare Vision und ein Ziel sind dazu sehr förderlich. Bleibt die Frage, wie bringt man sein Team auf den Weg dahin. Changemanagement gehört seit jeher zu den herausfordernsten Aufgaben und Menschen sind sehr unterschiedlich in Bezug auf Veränderungen. Den Einen geht’s nicht schnell genug (die Early Adopters) und die Anderen sind nicht wirklich zu überzeugen (die Laggards).

Was nun, wenn es um Veränderungen geht, hinter denen das gesamte Team stehen soll? Reicht es da, selbst im Konsent gemeinsam erarbeitete Regeln zu verabschieden? Meine Erfahrung mit schwierigen Veränderungen ist, dass Regeln von den Early Adopters gerne erwünscht, aber von den Laggards mit großen Bedenken begegnet wird und sie empfinden die neuen Regeln eher als Zwang. Ist Zwang zielführend? Ich meine NEIN! Wann immer ein zwanghaftes Gefühl im Spiel ist, gibt es keine oder kaum eine intrinsische Motivation für die Veränderung. Was möglicherweise schon eher funktioniert, sind Prinzipien. Sie geben dem individuellen Menschen einen Freiraum, in dem er sich nicht zwanghaft eingesperrt fühlt.

Ein Beispiel: Ein Team beschließt, dass sie Pair Programming anwenden wollen. Pair Programming ist aber nicht jedermans Liebling. Anstatt nun eine Regel aufzustellen, die besagt, Code sei im Pair Programming zu entwickeln, lässt sich das auch als Prinzip ausdrücken, etwa so: „Wann immer wir knifflige Aufgaben zu lösen haben, sind wir bestrebt, diese im 4-Augen Prinzip durchzuführen.“

Das genannte Prinip ist kein ‚Gesetz‘ wie die Regel. Es spricht von Bestreben, nicht von müssen. Es lässt Freiraum, ist nicht so konsequent und kann daher gerade von den Nachzüglern leichter angenommen werden. Zugegebenermaßen hat ein Prinzip nicht die Hebelwirkung wie eine Regel. Langfristig gesehen passiert aber die Veränderung durch das Prinzip nachhaltiger, weil es intrinsischer motiviert ist. Auch in der Anwendung lässt es sich empathischer damit argumentieren. „Wir hatten uns in der Retrospektive auf die Regel ‚xyz‘ geeinigt…“ klingt zwanghaft. „Wir hatten in der Retrospektive festgehalten, dass wir bestrebt sind ‚xyz‘. Wollen wir mal probieren…?“ lässt sich viel leichter hören.

Ich weiß nicht mehr von wem ich das mal gehört habe, aber angeblich hatten sich die 21 Verfasser des Agilen Manifests ‚bis auf’s Blut‘ gestritten, was denn nun die Beste Art und Weise sei, Software zu entwickeln und sind diesbezüglich zu keiner Einigung gekommen. Jedoch die 4 Wertepaare und die 12 erarbeiteten Prinzipien konnte jeder zu 100% unterschreiben.