Teamdynamik und Freelancer

Es gibt immer wieder Gründe, warum man ein Scrum-Team gerne um ein oder zwei weitere Teammitglieder erweitern möchte, z.B. um eine höhere Entwicklungsgeschwindigkeit zu erreichen. Es ist allgemein bekannt, dass dadurch die Geschwindigkeit zunächst sinkt, um sich dann später auf einem höheren Niveau einzupendeln. Dazu gibt es genügend Literatur und Erfahrungsberichte und soll hier nicht das Thema sein.

Interessanter finde ich die Auswirkungen auf die Teamdynamik, wenn man ein Scrum-Team das bisher ausschließlich aus fest angestellten Mitarbeitern besteht, mit freiberuflichen Entwicklern ergänzt. Folgende Erfahrungen habe ich dabei gemacht:

Zunächst muss das neue Teammitglied von den bestehenden fest angestellten Teammitgliedern eingearbeitet werden. Unabhängig davon ob der neue Mitarbeiter fest angestellt wurde oder als Freiberufler seine Dienste erbringt, ist diese Aufgabe eine zusätzliche Belastung. Im Falle von freiberuflichen Mitarbeitern stellen sich diese Anstrengungen aber als Verschwendung dar, da das aufgebaute Wissen ja nicht in das permanente Wissenskapital des Unternehmens einfließt. Schließlich ist das Dienstleistungsverhältnis nur von temporärer Dauer.  Nicht selten hat allein diese Tatsache demotivierende und frustrierende Auswirkungen bei den Mitarbeitern, die diese zusätzliche Belastung tragen.

Aus Sicht der fest angestellten Teammitglieder wird der freiberufliche Mitarbeiter immer als ein Externer gesehen. Auch wenn das Team gut eingespielt ist, kommt immer wieder durch, dass mit dem freiberuflichen Mitarbeiter ein Dienstleistungsverhältnis besteht. ‚Der ist ja nur eine Zeit lang da und wird in ein paar Monaten wieder verschwunden sein‘ sind typische Aussagen. Dies kann z.B. dazu führen, dass bei strategischen Besprechungen oder Entscheidungen die externen Teammitglieder nicht mit einbezogen werden und somit das Teampotential nicht vollständig genutzt wird.

Frei von historischem oder operativem ‚Ballast‘ kann der freiberufliche Mitarbeiter in der Regel ungestörter an seinen Aufgaben arbeiten als die festangestellten Mitarbeiter. Damit verbunden ist ein höherer Output. Schnell mutiert der Freelancer dadurch zum ‚Arbeitstier‘ und er erhält vom Team seine Aufgaben zugewiesen anstatt sich beim Daily Scrum Tasks auf freiwilliger Basis zu nehmen. Es bildet sich damit innerhalb des Teams eine Hierarchie aus, die eher dem klassischen Projektmanagement entspricht. Die Identifikation und das Commitment für das Sprintziel gehen für den freiberuflichen Mitarbeiter verloren oder werden zumindest aufgeweicht.

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